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Lappeenranta - Fortsetzung


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16.07.09: Etappe 25: Riga – Kurki (96km)
Die Strecke in Richtung Grenze führte direkt an unserem Hotel vorbei, nach 1 km mussten wir aber schon wieder Halt machen; es begann leicht zu regnen. Das Wetter besserte sich schlagartig, es wurde heiß und stickig. Dass es in der Nacht kräftig geschüttet haben musste, sah man an den tiefen Pfützen, die teilweise über die ganze Straße reichten.
Pfütze Nach Industriebetrieben und Großtankstellen fuhren wir an einigen Werften vorbei, in denen vorwiegend russischen Handelschiffe vor sich hin rosteten. Die offizielle Stadtgrenze von Riga war nach 15 km erreicht und wir strampelten wieder einmal die A1 entlang: Wiesen, Felder und Wald abwechselnd rechts und links der Autobahn, aber insgesamt doch langweilig. Nach 50 km gab´s in der Mittagspause an einem Kiosk in Saulkrasti mal wieder eine Solanka (offensichtlich nach einem anderen Rezept, aber wieder sehr gut). Von einer Bushaltestelle aus rief uns eine alte Frau „Gute Reise“ zu, später grüßte uns ein entgegenkommender Mann mit „Guten Tag!“ - auf diesem Streckenabschnitt trafen wir die bisher freundlichsten Leute an.
Überrascht sahen wir am Straßenrand einen Hinweis auf das Dorf Minhauzena mit seinem Münchhausenmuseum – nein, das ist kein von uns erfundenes Märchen!
Münchhausen Eigentlich wollten wir auf einem vom ADAC empfohlenen Campingplatz zelten, der auf Pauls Karte eingezeichnet war; da wir aber keinen Hinweis darauf fanden, folgten wir nach 96km einem kleinen Hinweisschild mit dem bekannten Bettensymbol nach Kurki. Der Ort bestand aus 3 Häusern in einer Waldlichtung, aber wir bekamen sofort eine Unterkunft in einem separaten 2-stöckigen Holzgebäude; im EG befanden sich die Sanitärräume, eine Küche und ein Wohnzimmer, 4 Doppelzimmer lagen im 1. Stock mit durchgehendem Balkon und freier Sicht über die Lichtung in den Wald. Der Pferdefuß: das nächste Restaurant war 8km entfernt – für uns also nicht drin!
Franz ging zum Baden und Fotografieren an die 300m entfernte Ostsee, Paul geißelte sich, indem er vom Balkon aus einer lettischen Familie beim Grillen und Essen zusah.
Strand bei Kurki In der Zwischenzeit hatten sich telefonisch 2 junge Briten, die wir am späten Abend in Riga kennen gelernt hatten, nach unserem Verbleib erkundigt. Wir lotsten sie ebenfalls zu unserem „Gästehaus“, wo sie noch ein Zimmer bekamen. Chris und Karen waren über den Kanal gekommen und in Calais mit ihren ebenfalls hoch beladenen Bikes über Warschau ins Baltikum geradelt. In Tallinn wollten sie mit der Fähre nach Helsinki und dann über Finnland, Schweden und Dänemark wieder nach London. Wir unterhielten uns noch lange an diesem Abend und beschlossen, am nächsten Tag ein Stück bis Salacgrivas zusammen zu fahren (dort sollte am Wochenende ein Musikfestival stattfinden, das die beiden besuchen wollten).

15.07.09: Ruhetag in Riga (0km!!!)
Einmal länger schlafen, länger frühstücken und die Räder stehen lassen – das hat was! Vor allem, wenn man sich in einer so schönen und interessanten Stadt wie Riga aufhält. Den Tag haben wir ausgiebig genutzt, um einen Teil der vielen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, die Riga als Hauptstadt Lettlands besitzt.
Bremer Stadtmusikanten Freiheitsdenkmal Vorab schon mal: ein Besuch lohnt sich allemal; viele Deutsche haben das schon erkannt, wie wir im Stimmengewirr immer wieder feststellen. Riga ist Partnerstadt von Bremen, kein Wunder also, dass wir vor der St. Petri Kirche eine Reisegruppe von dort antreffen, die wie wir die Bremer Stadtmusikanten – ein Geschenk der Stadt Bremen an Riga – bestaunen.
Rathausplatz Sehr farbenfroh zeigt sich der Rathausplatz, der im 2. Weltkrieg völlig zerstört und komplett wieder aufgebaut wurde. Unvorstellbar, wenn man heute das herrliche Platzensemble sieht, das aus Rathaus, Schwarzhäupterhaus, Schwabenhaus und Rolandsstatue besteht. Im 14. Jahrhundert bereits war das Schwarzhäupterhaus der angesehenste Ort der ganzen Stadt und gehörte der Gilde der unverheirateten Kaufleute (konnten sich die verheirateten sowas nicht mehr leisten?).
Das Freiheitsdenkmal ist das Symbol der Unabhängigkeit Lettlands und Rigas wichtigste Sehenswürdigkeit. Es liegt bezeichnenderweise an der Freiheitsstraße und die drei Sterne an der Spitze sind weithin sichtbar.
Jugendstil Alle wichtigen Gebäude und Plätze in Riga aufzuzählen würde hier zu weit führen, aber eine Besonderheit ist doch erwähnenswert: etwa ein Drittel des Stadtzentrums von Riga wurde im Jugendstil gebaut, was Riga zur Hauptstadt des Jugendstils in Europa macht. Die schönsten Gebäude sind gerade mal 5 Gehminuten von unserem Hotel entfernt, wie das folgende in der Elizabetes jela.
Den Abend genießen wir hoch über der Stadt im Restaurant des nahe gelegenen „Reval Hotel Latvjia“; den Tipp haben wir von einer sehr freudlichen und hilfsbereiten jungen Frau im Lettischen Touristeninformationsbüro erhalten.

14.07.09: Etappe 24: Biksti – Riga (92km)
Verkehr auf der A9 Ausnahmsweise kamen wir heute pünktlich um 09:00 Uhr los und strampelten tapfer auf der A9 weiter. Der Verkehr war um diese Zeit nicht sehr stark und wir machten tüchtig Kilometer. Immer wieder waren am Straßenrand Bushaltestellen zu sehen, die offensichtlich weitab jeder Siedlung waren, wir sahen potentielle Fahrgäste mit Plastiktüten und Tragetaschen auf dem unbefestigten Fahrbahnrand laufen. Ziemlich unangenehm für uns waren überfahrene Tiere, wie z.B. heute ein Marder und ein ausgewachsener Dachs. Da half nur, den Atem anhalten und durch.
Gegen Mittag, wir hatten bereits ca. 50 km auf dem Tacho, verwies uns ein Schild auf ein Restaurant mitten in freier Natur. Unsere Soljanka, eine Art Gulaschsuppe mit Kräutern und saurer Sahne, schmeckte hervorragend. Wir mussten uns sehr beherrschen, um im Innern des Gebäudes an den Vitrinen vorbei zu kommen: mitten in einer anscheinend sehr schwach besiedelten Gegend hatten wir wirklich eine Spitzen-Konditorei gefunden, die Schokolade, Pralinen und natürlich Torten aller Art herstellte. Wenn´s auch sehr schwer fiel, wir mussten ja weiter nach Riga und wollten zeitig dort ankommen, um ein vernünftiges Zimmer zu bekommen. Kurz vor Riga verließen wir die A9 bogen auf die A10 ab und hatten nach fast 10km die Stadtgrenze erreicht.
Ortsschild Riga Der Verkehr wurde immer stärker, die Besiedelung, vor allem mit Großbanken, internationalen Hotels und Autohäusern, nahm immer mehr zu. Einen größeren Gegensatz zu Kaliningrad können wir uns fast nicht vorstellen! Nachdem wir auf der Vansu tilts die Daugava überquert hatten, kamen wir sehr schnell in die Altstadt, wo wir nach kurzer Suche ein Tourismusbüro fanden. Dort suchte eine freundliche junge Dame online ein Zimmer in einem nahen Hotel und buchte auch gleich für uns (die Zimmer waren deutlich billiger, als wenn wir im Hotel direkt buchen und bezahlen würden, versicherte sie uns).
Das Hotel war schnell gefunden, wir checkten ein, versorgten unsere Drahtesel, die diesmal von Sicherheitskräften per Monitor überwacht wurden (wirklich!) und waren mit den heute gefahrenen 92 Kilometern sehr zufrieden. Unserem Ziel waren wir wieder ein Stück näher gekommen und hatten nach Berlin und Danzig die 3. Großstadt auf unserem Weg erreicht. Der erste Eindruck später auf demWeg in die Stadt war sehr positiv und am Essen in einem Gartenrestaurant gab´s nichts auszusetzen.

13.07.09: Etappe 23: Rudbarui – Biksti (81km)
Zum Frühstück gab es zur Abwechslung Omelett (scheinen hier alle als Frühstück zu nehmen, aber immer mit Tomaten, Paprika, Gurken u.ä., also sehr gesund!). Wir starten um 11:45 Uhr Ortszeit, nachdem wir endlich unsere Uhren richtig eingestellt hatten und fuhren weiter auf der A9 in Richtung Riga. Die Straße verlief immer noch in langgezogenen Wellen auf und ab, was uns heute aber nicht sonderlich anstrengend vorkam. Auf der gesamten Strecke von Liepaja ist übrigens ein schmaler Streifen der Fahrbahn für Radfahrer abgetrennt; auch Fußgänger sind vereinzelt auf dem Weg zu den Bushaltestellen unterwegs – allerdings auf dem unbefestigten Randstreifen. Unterbrochen wird die relativ eintönige Strecke durch einzelne landwirtschaftliche Höfe und ziemlich ärmliche Ansiedlungen am Rand kleiner Städte.
Paul auf Strecke Nach ca. 40km legten wir eine Mittagspause ein und genehmigten uns in einem kleinen Restaurant bei einem Supermarkt in Saldus ein Tagesmenue – passend für uns Radler gab es Makkaroni mit Salat und sogar ein Dessert für umgerechnet 5.-€. Kaum hatten wir in englisch unseren Wunsch geäußert, etwas essen zu wollen, kam der Juniorchef, gab uns die Hand und stellte sich vor. In sehr gutem Englisch übersetzte er nicht nur die Speisekarte und nahm unsere Bestellung auf, sondern erklärte uns auch, wie wir zum nächsten Hotel an der A9 (in ca. 30km Entfernung!) kämen. Nach der anstrengenden Etappe am Vortag beendeten wir dann nach 81km unsere Fahrt und bezogen in einem kleinen Motel (mit kostenlosem Internet-Anschluss – hier: Wi-Fi).

12.07.09: Etappe 22; Djvantoji – Rudbarui (127km)
Wie am Abend versprochen waren wir um 10:00 Uhr beim nahegelegenen Restaurant (genau genommen war es 11:00 Uhr, weil wir die mittlerweile eingetretene Zeitverschiebung nicht berücksichtigt hatten!!!). Trotzdem, das Frühstück mit einer Pilzsuppe vorweg war ausgezeichnet und nach einer kleinen Unterhaltung mit dem Personal und einem weißen Kakadu mit Namen „Schwarzer“ zogen wir von dannen.
Auf einer stark befahrenen Straße fuhren wir nach Norden, überquerten nach kurzer Zeit die Grenze nach Lettland und hatten nach ca. 60km Fahrt Liepaja erreicht.
Grenze Schild Die Stadt war im Mittelalter wegen der Bernsteinfunde sehr reich; heute wird kaum mehr etwas gefunden, die Stadt hat unter russischer Besatzung stark an Bedeutung verloren (außer als Kriegshafen der Sowjets für atomare U-Boote). Heute ist Liepaja für seinen langen Sandstrand, Kirchen, Cafés und vor allem für Lettlands erstes Rockcafé bekannt. Für den Strand hatten wir leider keine Zeit, aber im „Latvijas Rokkafejnica“ haben wir eine mittelmäßiges Mittagessen eingenommen. Dort trafen wir auch ein Hamburger Ehepaar zum wiederholten Mal wieder und hatten eine nette Unterhaltung. Auf der Straße vor dem Café haben haben sich lettische Rockkünstler mit ihren Handabdrücken verewigt.
Rockcafe Der A9 folgend fuhren wir aus der Stadt heraus in Richtung Riga. Die A9 ist keine Autobahn, wie wir es gewohnt sind; auf der gesamten Strecke ist durch eine durchgehende Linie ein schmaler Streifen der Fahrbahn abgetrennt, auf dem man gut radeln kann. Allerdings ist doch Vorsicht geboten, da die Fahrspur durch die LKW manchmal um 30cm tiefer eingedrückt ist. Eine besondere Problematik für Radfahrer bekamen wir zu spüren: auf über 40km fanden wir keine Übernachtungsmöglichkeit! Zudem wurde die zuerst recht ebene Strecke immer hügeliger und kräftezehrender. Endlich, nach 127km, nach 440 Höhenmetern und kurz vor 21:00 Uhr, entdeckten wir am Straßenrand ein kleines Motel, das noch ein Zimmer für uns frei hatte. Als erstes nahmen wir unser wohlverdientes Abendessen ein, dann freuten wir uns so richtig auf eine heiße Dusche. Ganz geknickt gestand uns eine nette junge Bedienung, dass es ein Problem mit der Wasserversorgung gäbe; aber in einer Stunde sei der Fehler behoben. So war es dann auch und wir konnten uns endlich frisch machen. Welch ein Genuss!!!

11.07.09: Etappe 21: Preilla – Djvantoji (105km)
Zum Frühstück gab´s Omelette, Kaffee und Orangensaft, dann schon nach 500m „Kettensalat“ am Rad von Franz. Nach der Reparatur ging´s dann endgültig los. Ein alter Bekannter, der Fernradweg R10, begleitete uns mit sehr gutem Belag durch Kiefernwälder, freies Feld und an hohen Dünen entlang bis Klaipeda.
Kursiche Nehrung Die kostenlose Fähre brachte uns bis dicht an die Altstadt, wo an einem kleinen Platz mit dem „Ännchen von Tharau“-Brunnen an vielen Ständen Bernstein-Schmuck angeboten wurde. Gleich daneben ließen wir uns in einem sehr ansprechendes Restaurant zu einem Mittagessen nieder und kamen gleich in ein interessantes Gespräch mit einem Freiburger Ehepaar, die in Klaipeda ein Projekt zur Unterstützung bedürftiger Kinder betreiben. Auch in dieser wie in vielen anderen Städten gibt es nicht nur die Schokoladenseite für Touristen, sondern gleich um die Ecke für unsere Verhältnisse bittere Armut...
Brunnen Klaipeda Unsere weitere Reiseroute mussten wir nach einer Unterhaltung mit einem anderen deutschen Ehepaar ändern: wir erfuhren, dass die Fährverbindung von Ventspils zur Insel Saaremaa, die wir in einigen Tagen nehmen wollten, eingestellt wurde.
Palanga war unser nächstes Ziel auf dem Radweg, dann wollten wir so weit wie möglich nach Norden und möglichst noch über die lettische Grenze. Am Rand des für Badeorte üblichen Rummels fanden wir ein nettes Café und Appartment-Hotel, wo wir uns Kaffee und leckeren Kuchen gönnten. Leider haben wir uns danach ziemlich ins Landesinnere verfahren, was uns einige Kilometer zusätzlich brachte. Unterwegs trafen wir auf eine Hochzeitsgesellschaft, deren Stretchlimousine zwischen zwei Dörfern liegengeblieben war – die Leute machten einfach einen Event daraus und feierten mit Champagner auf der Straße weiter.
Wir dagegen mussten einige Kilometer mit starkem Gegenwind wieder an die Küste zurück. Noch vor der Grenze nach Lettland sahen wir ein sehr schönes Hotel mit Restaurant, doch leider gab´s kein freies Zimmer mehr... Einen Kilometer weiter schlugen wir dann auf einem kleinen Campingplatz (eigentlich ein Bauernhof) mit spartanischen Sanitäreinrichtungen unsere Zelte auf. Auf dem Platz zwischen den Zelten stolzierten in aller Ruhe zwei Störche herum – das hatten wir auch noch nicht erlebt!
Storch Zum Abendessen fuhren wir dann in das Restaurant, das wir vorher entdeckt hatten, und ließen uns mit einem hervorragenden aber preiswerten Abendessen verwöhnen. Das Personal war sehr zuvorkommend, die Chefin persönlich stellte mir ihren Laptop für den Internet-Zugang zur Verfügung – wir ließen es uns gut gehen. Auf unsere Frage nach einem Frühstück am nächsten Morgen erfuhren wir, dass das Restaurant erst um 11:00 Uhr öffnen würde – für uns gäbe es aber schon um 10:00 Uhr Frühstück. Wo gibt es sowas noch?
Satt, zufrieden und müde wickelten wir uns in unsere Schlafsäcke...

10.07.09: Etappe 20 / Kaliningrad – Preila (104km)
Paul Das Wichtigste für uns zuerst: es regnete nicht! Wir verließen Kaliningrad endgültig nach Norden in Richtung Flughafen auf der A 191 und kamen ohne Zwischenfälle trotz starken Autoverkehrs schnell nach Norden.
Die Auto- und LKW-Fahrer fuhren, wie wir fanden, sehr rücksichtsvoll. Der Fahrbahnbelag war wie gewohnt an den Straßenrändern mit Schlaglöchern übersät. Unterwegs sahen wir eine Art Panzerparade und dahinter einen riesigen Friedhof. Zuerst glaubten wir, es handele sich um einen Soldatenfriedhof, es war aber wohl eher eine Kombination aus Soldaten- und Zivilfriedhof (mal wieder eine dieser Zeitpunkte, an denen mal bedauert, die Landessprache nicht zu beherrschen!); an einem Ende befand sich ein Ehrenmal, am anderen eine kleine orthodoxe Friedhofskapelle. Schweres Gerät Weiter ging´s nach Zelenogradsk und kurz danach auf die lange schmale Halbinsel (Kurische Nehrung), die über Nida nach Klaipeda führt. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man glauben auf einer herrlichen Baumallee irgendwo auf dem Festland zu fahren; dass sich rechts und links Wasser befindet, sieht man nur, wenn an einigen Stellen zwischen Bäumen hindurch die Wasserfläche spiegelt.
Friedhof Kurz vor Nida die Grenze zwischen der Russischen Föderation und Litauen: vor uns wartete bereits eine lange Autoschlange. Wir stellten uns dazu und unterhielten uns in englischer Sprache mit einem Hotelbesitzer aus Klaipeda, der zum Spaß meinte, es käme vielleicht Putin vorbei, weil die Grenze geschlossen war und eine Grenzpolizistin mit einem Fernglas ständig an der Schlange vorbei offensichtlich etwas suchte. Nach einer halben Stunde wurde die Grenze dann geöffnet – zur Blockabfertigung (immer nur 3 Fahrzeuge). Wir waren beim ersten Schwung dabei, weil unser Gesprächspartner ein gutes Wort für uns einlegte und hatten die Formalitäten lange vor den anderen Wartenden hinter uns. Nach dem litauischen Schlagbaum wurde die Straße deutlich besser, die Autos neuer und teurer. Die Leute erschienen an den Straßen grüßten freundlich zurück, nur am Himmel standen auf einmal dunkle Wolken. 10 Kilometer weiter bogen wir ab und fanden nach kurzer Suche in Preila ein Zimmer in einem Hotel direkt am Wasser. Wir saßen im Freien, bis uns der kräftige Wind dann doch ins Innere trieb.
Am Abend summierten wir mal wieder die gefahrenen Kilometer und kamen auf die stolze Summe von 1888 km, die heutige Etappe betrug 104km.

09.07.09: Etappe 19 / Krynica Morska – Kaliningrad (88km)
Der Wettergott schien es gut mit uns zu meinen: es regnete mal nicht. In bester Laune genossen wir ein ausgiebiges Frühstück, als wir von einem vielleicht 10-jährigen Jungen in bestem Deutsch angesprochen wurden, wo wir denn herkämen. Verwundert fragten wir ihn über seine Deutschkenntnisse aus und er erklärte uns stolz, dass er polnisch, deutsch und englisch sprechen könne. Wir waren von den Socken! Im Gegenzug gaben wir ihm die Daten zur Homepage des TTC Gnadental und er sowie sein Vater waren darüber sehr glücklich.
Impressionen am Wegrand Mit unserem Glück schien es nach dem Frühstück vorbei zu sein (nein, kein Regen!). Wir machten uns rechtzeitig auf den Weg zur Fähre nach Frombork, die um 9:30 Uhr ablegen sollte. Am Eingang des Hafengeländes wurden wir von einem jungen Mann auf englisch darüber informiert, dass die Fähre wegen des aufgekommenen Sturmes nicht ablegen würde – morgen früh vermutlich wieder...
Sturm herrschte tatsächlich, wie man an den Schaumkronen sehen konnte, aber trotzdem trauten wir irgendwie der Sache nicht so richtig und fuhren trotzdem zur Pier. Das Schiff lag verlassen da – aber ein Stück weiter lag ein weiteres einer anderen Linie, das um 10:15 Uhr planmäßig ablegen sollte. Wir waren sehr früh dran, und die Fahrräder deshalb schnell verstaut. Zur Abfahrtszeit war das Schiff brechend voll; sogar unsere Gepäckrollen wurden unterwegs von anderen Passagieren als Schlafgelegenheit zweckentfremdet. Mit zeitweise starkem Krängen um die Längsachse und vom Bug bis achtern fliegender Gischt waren wir über eine Stunde unterwegs, bis wir in Frombork das Schiff verlassen konnten. Am Hafen stillten wir unseren Hunger und machten uns erst um 12:30 Uhr auf den Weg über Braniewo nach Kaliningrad. Der Wind blies kräftig – glücklicherweise von hinten – und wir kamen zügig bis zur Grenze. Die polnischen Grenzposten winkten uns durch, dann mussten wir bei den russischen erst mal Formulare ausfüllen; d.h. die von Franz füllte eine hübsche blonde Grenzpolizistin aus, weil sie in russisch geschrieben waren...Anschließend ging´s zur Passkontrolle, dann zur eigentlichen Zollkontrolle. Bei beiden hatten wir zwar kurze Wartezeiten, aber keine Probleme mit der Durchfahrt.
Stadtgrenze Gleich nach der Grenze schienen die Dörfer ärmlicher als in Polen, die Autos (vorwiegend angerostete Audis und Mercedes) älter, und am Straßenrand verkauften alte Frauen Obst aus Eimern. Hunde stürzten uns mit lautem Kläffen entgegen, es war schon ein wenig abenteuerlich.
Gehweg in Kaliningrad Die Straßen allerdings waren bis zur Stadtgrenze von Kaliningrad ausgesprochen gut und wir erreichten eine Durchschnitts- geschwindigkeit von 22 km/h. Dann wuchs der Verkehr stark an, die Straßen waren meist sehr grob gepflastert und die Gehwege für Fahrräder unpassierbar.
Durch die Stadtmitte fuhren uralte Straßenbahnen, alte, bei uns ausgediente Busse (z.T. noch mit deutscher Aufschrift) verrichteten hier noch ihren Dienst und die Gehwege waren auch im Zentrum schlecht. Obwohl einige Gebäude und Bezirke sehr gut und modern gebaut bzw. renoviert waren, hielt uns nichts in der Stadt und wir versuchten, nach Norden zur Kurischen Nehrung weiter zu kommen. Erst verfuhren wir uns hoffnungslos und landeten im Westen in, wie es schien, einsamen Dörfern, aber ein jugendlicher Rollerfahrer klärte uns auf: wir waren immer noch im Stadtgebiet. Nach Kompass fuhren wir auf eine Schnellstraße und fanden in Richtung Küste eine neues und sehr sauberes Hotel mit dem bezeichnenden Namen „Navigator - The Spirit of Adventure“. Im Restaurant wurde uns von ausgesprochen freundlichem Personal ein ausgezeichnetes Abendessen serviert und wir waren mit Kaliningrad wieder im Reinen!

08.07.09: Etappe 18 / Gdansk – Krynica Morska (60km)
Hotel Die heutige Etappe verlief kulturell recht unspektakulär; bereits beim Start vor dem Hotel Mercury waren wir Gesprächsthema einer Reisegruppe aus der Schweiz, die uns nicht nur wegen unseres schweren Gepäcks, sondern vor allem wegen der Tatsache bedauerten, dass wir nach dem Frühstück in den kräftigen Regen hinaus mussten. Leider nützte auch ein mehrmaliger Rundblick vor dem Hotel nichts – es war nirgends ein heller Fleck Himmel zu entdecken.
Nach 28km Fahrt erst der E77 entlang und dann auf einer Art Bundesstraße sahen wir das Ortsende-Schild von Gdansk. Vom ständigen starken Regen abgesehen lief alles gut: wir kamen sehr zügig aus der eigentlichen Stadt und ließen Kilometer um Kilometer mit gesenktem Kopf und ohne den zahlreichen tiefen Pfützen auszuweichen, hinter uns.Neptun Wir kurbelten einfach nur vor uns hin und versuchten nicht zu beachten, dass einige Kleidungsstücke vom Regen durchweicht wurden, andere dagegen verschwitzt. Jedenfalls waren wir schon nach einer Stunde klatschnass und begannen zu frieren – kein Wunder bei Fahrtwind und gemessenen 15 Grad. In Stegna aßen wir sehr gute Piroggen in einem Restaurant, in dem absolut kein Licht brannte – was wir für übertriebene Sparsamkeit hielten, war schlicht ein Stromausfall. Plötzlich brannte die Beleuchtung wieder und Gäste, Bedienungen und die Chefin strahlten um die Wette. Schon sah alles besser aus, bis wir wieder auf die Straße mussten. Es kübelte immer noch, vorbeifahrende Fahrzeuge bewarfen uns zusätzlich mit Wasser, aber wir mussten noch ca. 20km weiter. Auf der 501 nach Osten in Richtung russische Grenze, auf einer langen schmalen Landzunge, erlebten wir den dichtesten Fahrzeugverkehr in ganz Polen. In Krynica Morska wollten wir mit einer Fähre aufs Festland übersetzen – es verkehrte aber heute keine mehr nach Fromborg und eine andere nach Tolkmicko erst um 19:10 Uhr. Da wir erstens die Nase voll hatten vom immer noch andauernden Regen und wir andererseits schon mal schlechte Erfahrungen mit der Hotelsuche in der Nacht gemacht hatten, buchten wir in einem schönen Hotel Zimmer. Eine nette Empfangsdame kommentierte unser schlechtes Gewissen wegen der nassen und schmutziges Packtaschen mehrmals mit den Worten „don´t worry“ und ließ uns unsere Räder an der Rezeption vorbei in einen daneben liegenden Flur schieben.
Wir genossen die wohlige Wärme überheizter (!) Räume und eine heiße Dusche, dann im nahe gelegenen Vergnügungspark am Hafen ein Riesen-Schaschlik und ein kleines Bier....

07.07.09: Ruhetag in Gdansk (0km!)
Neptunbrunnen Das Frühstück genossen wir diesmal sehr ausgiebig, weil teuer! Danach ließen wir ausnahmsweise mal die Räder stehen und erkundeten die nahe Altstadt von Danzig. Die Marienkirche besichtigten wir nur innen, auf die Turmbesteigung verzichteten wir mit Rücksicht auf unsere Oberschenkel! Nachdem wir Bilder von der fast vollständigen Zerstörung der Stadt am Ende des 2. Weltkrieges gesehen hatten, konnten wir nur staunen, wie diese herrliche Stadt (wir sind uns einig, dass Gdansk für uns die schönste Stadt ist, die wir bisher gesehen haben!) mit ihrem niederländischen und deutschen Flair wieder aufgebaut wurde. Ähnlich geht es wohl auch den Heerscharen von vor allem deutschen Touristen, die busweise hier eintreffen. Interessant ist natürlich auch, dass das „Danziger Goldwasser“, ein Likör, dessen Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert reichen, in Deutschland hergestellt wird...
Straße mit Paul Es führt zu weit, alle Sehenswürdigkeiten von „Klein-Amsterdam“ aufzuzählen; wir haben längst nicht alles gesehen, aber sind von dieser Pracht und Sauberkeit begeistert. Ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen!!
Den Abend in dieser einzigartigen Stadt schlossen wir mit einem Fischessen auf einem kleinen Schiff ab und genossen nochmals die angenehme Athmosphäre mit Livemusik vor vielen Restaurants. Eine am Straßenrand angebotene rustikale Spezialität musste auch noch getestet werden (seitdem ist der Wodka nach dem Essen verständlich!).
Da es bei unserer Ankunft in Gdansk leider schon dunkel und für uns ein Dach über dem Kopf sowie eine heiße Dusche (fast!) das wichtigste auf der Welt war, verzichteten wir auf eine Fotosession – wird morgen nachgeholt!
Übrigens: heute regnete es mehrmals, doch ausnahmsweise ließ uns das völlig kalt – wir saßen jedesmal in einem Restaurant oder Café!

06.07.09: Etappe 17 / Leba – Gdansk (115km)
Internet Im Restaurant, in dem wir uns zum Frühstück angemeldet hatten, waren wir die einzigen Gäste – 3 junge Leute versorgten uns mit Orangensaft, Kaffee, Würstchen und Marmelade. Gut gestärkt konnten wir dann noch das Wi-Fi des Restaurants nutzen, um unseren Reisebericht abzuschicken.
Wir starteten und prompt begann es um 10:00 Uhr kräftig zu regnen; wir fuhren mit tropfnasser Kleidung (Regen und Schweiß) Kilometer um Kilometer, nur unterbrochen von einem kurzen Einkauf (Dschungelwurst und Getränke). Unterwegs trafen wir ein finnisches Ehepaar, das von Kopenhagen mit Trekkingrädern wieder nach Hause fahren wollte und klagten gemeinsam wegen des schlechten Wetters. Zum Mittagessen hatten wir schon 30km geschafft und genehmigten uns ein Überraschungsmenü (wir konnten die Speisekarte nicht lesen...). Es „blaute auch wieder auf“ und wir radelten durch eine unerwartet hügelige Gegend in Richtung Halbinsel Hel. Immer wieder begegneten uns Zeugen aus der Zeit, als diese Gegend noch deutsches Gebiet war und teilweise wurde die Geschichte wie die eines Schulgebäudes auf Tafeln mehrsprachig erklärt.
Strand Hel Nach Wladystawowo erreichten wir die Halbinsel Hel, die sich ca. 35km lang gegenüber der Ostseeküste entlang zieht. Die Kilometer zogen sich hin und auch die an manchen Stelle sehr schöne Aussicht half uns nicht darüber hinweg, dass wir seit 9:30 Uhr im Sattel waren...
Der Radweg war bis Jastarnia sehr gut zu fahren, dann für unsere Schwertransporter etwas schwieriger durch den Wald bis zum Hafen Hel. Auf dem Tacho hatten wir mittlerweile 115km.
Fähre Wir kauften Karten für die Fähre und legten pünktlich um 20:10 Uhr Richtung Gdansk ab. Mit einer Deutschlehrerin aus Südpolen kamen wir in eine sehr interessante Unterhaltung und bei der Einfahrt in den Hafen Gdansk erklärte sie uns ausführlich die Geschichte der einzelnen Sehenswürdigkeiten, z.B. den Angriff des Zerstörers „Schleswig Holstein“am 1. September 1939 auf die Westerplatte, womit der 2. Weltkrieges begann. Kurz danach fuhren wir an der riesigen Werft vorbei, in der Anfang der 80er Jahre der Aufstand der Gewerkschaft Solidarnosc unter Lech Walesa begann.
Bei der Ausschiffung war es bereits 22:30 und wir hatten noch keine Bleibe für die Nacht! Nach einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt mit dem Rad checkten wir notgedrungen im 4-Sterne-Hotel Mercure ein. Die Räder durften neben der Rezeption bleiben und wir fielen todmüde in die Betten. Wir waren wieder genau im Zeitplan!

05.07.09: Etappe 16: Ustka – Leba (75km)
Morast Es regnete nicht, als wir zum Frühstücken gingen, auch nicht, als wir unsere klatschnassen Zelte zusammenlegten, aber die Sonne schien leider auch nicht. Wir starteten in trüber Stimmung. Zum Ausgleich für das schöne Wetter der letzten Tage mit Sonnenschein und bis zu 30 Grad fing es dann doch bald wieder zu regnen an. In Regenklamotten zu fahren hebt die Stimmung auch nicht gerade, und die Wegbeschaffenheit heute war katastrophal. Betonplatten waren noch der beste Belag, ansonsten kilometerlang nur tiefer Sand, mit riesigen Pfützen bedeckte Waldwege, sumpfige schwarze Erde unter der dünnen Grasnarbe – es war alles vertreten!
Kluki Der einzige Lichtblick war das Dorf Kluki. Das dortige „Slowinzische Freilichtmuseum“ zeigt das Leben der Slowinzen (mittlerweile ausgestorbenes westslawisches Volk mit eigener Sprache) im 18. und 19. Jahrhundert.
Ohne Regen ging es weiter durch kleine Dörfer; einmal mussten wir eine Herde Kühe vorbeiziehen lassen, die saubersten Kühe, die wir je sahen!!
Laut Plan fehlten uns heute noch 40km Strecke, aber wir waren beide der Meinung, es reiche für diesen Tag, und suchten in Leba eine günstige Pension. Wir bekamen jeder ein Zimmer, in dem wir unsere nassen Sachen ausbreiten konnten und ein freundlicher junger Mann verwies uns auf ein nahe liegendes Restaurant, in dem wir am nächsten Tag auch frühstücken können. Auf unsere Frage nach einer Möglichkeit, unsere Mails abzusetzen, überredet er auch noch den Restaurantbesitzer, uns nach dem Frühstück einen Zugang zu geben. Zufrieden mit dem doch noch gelungenen Tag genossen wir ein leckeres Abendessen und das dazugehörige Bier.

04.07.09: Etappe 15: Ustronie Morskie – Ustka (115km)
Nach einem sehr guten und preiswürdigen Frühstück (wieder beim Italiener!) genossen wir stundenlang den Radweg in Strandnähe, wo Scharen von Urlaubern in Richtung Meer strömten. Einfach zu fahren war der Weg nicht gerade, weshalb wir beim Örtchen Lyaz ins Landesinnere ab – eine kluge Entscheidung, denn in Iwecino platzten wir geradewegs in eine Art Straßenfest mit mittelalterlich gekleideten Laienschauspielern.
Landfrauen Bei den „Landfrauen“ gefiel es uns am besten und der Mohnkuchen schmeckte super (manchmal bricht eben der Genussradler durch...). Über unbefestigte Straßen, dann die 203 und anschließend über wirklich abenteuerliche Wege kamen wir schließlich nach 115 km in Ustka an. Das schöne Wetter verführte uns dazu, unsere Zelte auf einem kleinen Campingplatz aufzustellen, zwei junge Polinnen aus Stettin machten uns darauf aufmerksam, dass um 23:00 Uhr an der Küste ein Feuerwerk abgebrannt werden sollte – es hätte ein schöner Abend mit einem kühlen Bier am Strand werden können! Wenn es nicht kurz darauf geschüttet hätte. Das Feuerwerk fand trotzdem statt, wie wir hören konnten, aber es war nicht daran zu denken, das Zelt zu verlassen (für Paul sowieso nicht, er musste das eingedrungene Wasser aus seinem Zelt schaffen..).

03.07.09: Etappe 14: Dziwnow – Ustronie Morskie (96km)
Der Fernradweg „R10“ begleitete uns auch an diesem Tag ein Stück mit Betonplatten und tiefen Sandlöchern, bis wir dann doch wieder auf die 102 wechselten. Kurz vor Trzebiatow (früher Treptow a. d. Rega) begleitete uns ein sehr gut deutsch sprechender Rennradfahrer ein Stück weit und erhöhte unfreiwillig unsere Durchschnittsgeschwindigkeit...
Rennradler
Beim Mittagessen erholten wir uns einerseits wieder, andererseits war unser Magen eine ganze Weile mit der Verdauung beschäftigt – den Grund sieht man deutlich auf dem Teller.
Pizza
Sehr schön war der folgende Wegabschnitt Richtung Kolobrzeg (ehemals Kolberg): auf der linken Seite des Weges tolle Ausblicke zur Ostsee und rechts eine Vielzahl von Biotopen. Die letzten Kilometer mussten wir dann auf die Straße ausweichen.
An unserem Etappenziel fanden wir nach längerer Suche eine Bleibe in einer „Bungalow-Siedlung“, einfach eingerichtet, aber sehr sauber und preisgünstig.
Bungalow
Zum Abendessen gab´s wieder Kohlenhydratreiches: Nudeln bzw. Spaghetti beim Italiener in der Stadt.

02.07.09: Etappe 13 / Zecherin/Usedom - Dziwnow(90km)
Besonders auf Usedom ist die Welt recht klein, konnten wir feststellen: die Friseuse, die Franz den mittlerweile zum Walrossbart angewachsenen Oberlippenbart stutzte, war die Tochter unserer oben erwähnten Bedienung im Hotel!
Grenze In Ahlbeck kurz vor der Grenze (die Kneipe hatte auf dem Schild stehen: „letzte deutsche Gaststätte vor Moskau“) gab´s noch mal was zu essen, bevor wir um 13:00 Uhr die offene Grenze nach Swinoujscie (ehemals Swinemünde) passierten.
Der Radweg war als Radfernweg „R10“ sehr gut ausgeschildert und auch innerhalb der Stadt verkehrstechnisch in sehr gutem Zustand. Da er weitgehend identisch mit dem „Ostseeküstenradweg“ ist folgten wir ihm an den Befestigungen aus den Jahren um 1855 vorbei zum Hafen und setzten mit der Fähre über die Swina. Unterwegs sind immer wieder Geschichtszeugen, vor allem Bunker aus dem 2. Weltkrieg, zu sehen und in einer Festung wurden wir Zeuge einer lautstarken Führung mit Kanonendonner – Erinnerungen an die Haller Sieder wurden wach. Der Wegbelag bestand mittlerweile teilweise aus holprigen Betonplatten und tiefen Sandkuhlen und war für unsere schwer beladenen Räder auch gefährlich geworden (von Pauls Ausflug in die Holunderbüsche gibt es leider kein Foto..). Also folgten wir der 102 bis Miedzywodzie und versuchten Zimmer zu finden, was wegen der polnischen Sommerferien nicht ganz einfach war. Eine Ortschaft weiter wurden wir fündig und bezogen eine kleine Ferienwohnung und unsere Räder durften im Flur die Nacht verbringen. Wir hatten richtig Spaß damit, uns das Abendessen selbst einzukaufen und zuzubereiten (allerdings recht spartanisch). Die Verständigung mit unseren Vermietern machte überraschenderweise überhaupt keine Probleme, obwohl sie kein deutsch und wir kein polnisch sprachen.

01.07.09: Ruhetag auf Usedom (87km)
Nein, die Kilometerangabe in der Überschrift ist kein Schreibfehler! Eigentlich wollten wir nur von unserem Hotel in Zecherin zur „Inselhauptstadt“ Usedom fahren, um dort ein paar kleinere Schäden an unseren Rädern (z.B. eine gebrochene Aufhängung an einer Packtasche) reparieren und die Räder mal wieder kurz durchchecken zu lassen...Wir hatten uns weder mit der Kleidung noch mit Getränken auf eine längere Fahrt eingestellt. Überraschung: in der Stadt Usedom gibt es kein Fahrradgeschäft. Also auf nach Ahlbeck an der Nordküste, wo wir zwar ein richtiges Radgeschäft fanden, aber ohne passende Ersatzteile! Nach einer provisorischen Reparatur (kostenlos!) ging´s mal wieder auf die Suche nach einem Internet-Café. Wir konnten schließlich in einem 4-Sterne-Hotel in Bansin unsere Mail an Jochen Schmitzl absetzen, der so freundlich ist, unsere Texte und Bilder gekonnt auf die Hompage des TTC umzusetzen. Danke an ihn auch mal an dieser Stelle!
Nach der Rückkehr in unser Hotel zeigte der Radcomputer erschreckende 87km und immerhin 285 Höhenmeter an – keine Ahnung, wo die herkommen...“Sowas nennt ihr also Ruhetag“, meinte „unsere“ nette Bedienung beim Abendessen dazu nur kopfschüttelnd.

30.06.09: Etappe 12 / Penkun – Zecherin/Usedom (140km)
Um 6:00 Uhr trommelte der Regen auf das Flachdach unserer Behausung! Nach dem Frühstück im benachbarten Vereinsheim schien bereits die Sonne und es begannn, sehr schwül zu werden. Es blieb den ganzen Tag sehr heiß (bis 30 Grad). Wir folgten dem Oder/Neiße-Radweg erst durch ausgedehnte Getreidefelder, dann durch Mais- und Rapsfelder, so weit das Auge reichte. Abgesehen von einigen sehr schlechten Wegabschnitten (mal Sand, dann wieder grobes Kopfsteinpflaster) war der Radweg überwiegend neu angelegt worden. In den Dörfern sah es schon skurril aus: die alten hochgewölbten Pflasterstraßen mit sandigen und holprigen Randsteifen und daneben neu gebaute topfebene Rad- und Gehwege.
Beim „flotten Hugo“ , einer kleinen Pension in Pampow, genehmigten wir uns eine Bockwurst und ein herrlich frisches Kirschsaftschorle. Sehr romantisch ging´s weiter durch die gewohnt phantastische Landschaft nach Rieth am Stettiner Haff. Um ca. 16:00 Uhr bei Kaffee und Kuchen erfuhren wir beiläufig, dass wir zu unseren 60 bereits gefahrenen Kilometern noch weitere 60 vor uns hatten!! Frustriert machten wir uns auf und bretterten über verschiedene Dörfer nach Uckermünde und über Anklam nach Usedom. Dort hatten wir uns mit Marc und Anja Nesselhauf verabredet. Zufällig trafen wir uns auf der Zufahrt zur Insel! Die beiden fuhren uns ein kurzes Stück voraus und buchten in einem schönen Gasthof direkt nach der Brücke zwei komfortable Zimmer. Solche Quartiermacher könnten wir immer brauchen! Nach einem gemeinsamen Abendessen fuhren die beiden zurück zu ihrem Quartier auf Rügen und wir fielen nach einem letzten „Absacker“ müde, aber zufrieden, in unsere Betten.

29.06.09: Etappe 11 / Oderberg – Penkun (86km)
Der Tag begann ganz gut; beim Frühstück erhielten wir von einem sehr rüstigen ehemaligen Seemann (84 Jahre) viele Tipps für unsere weitere Reise über Danzig, Kaliningrad und St. Petersburg. Wir würden Monate brauchen bis wir alle Sehenswürdigkeiten besucht hätten.
Wir fuhren auf dem Radweg der „Alten Oder“ entlang und dann auf dem Oder-Radweg auf dem Damm. Nach 10km wurde der Himmel vor uns immer dunkler und es begann auch bald zu regnen – in unserer Regenkleidung strampelten wir die nächste Stunde Kilometer um Kilometer ab, ohne eine Blick für die Schönheiten der Landschaft zu haben. Das änderte sich schlagartig, als die Sonne wieder schien, die Kleider trockneten und Heerscharen von Rapskäfer sich auf Pauls Regenhülle nieder ließen. Der asphaltierte Weg führte direkt durch den Nationalpark „Untere Oderauen“, wo hunderte von kleinen Biotopen für Wasserpflanzen und viele See- und Wasservögel (z.B. Seeschwalben) eine Heimat bieten. Sogar ein junger Fuchs schnürte in kurzer Entfernung vor uns ins Dickicht.
Am See Penkum Um die Mittagszeit erreichten wir Schwedt / Oder. Nach einem kleinen Imbiss ließen wir uns von verschiedenen Einwohnern auf der Suche nach einem Internet-Café quer durch die Stadt schicken, bevor wir endlich zur Stadtbibliothek kamen. Obwohl diese montags geschlossen hatte, öffnete uns eine sehr freundliche Dame und ermöglichte es uns, die Texte und Bilder für die letzten Tage abzusetzen.
0 In ständigem Auf und Ab ging es weg von der Oder zwischen riesigen Getreidefeldern mit Kornblumen, Mohnblumen, Margariten und vielen anderen blühenden Pflanzen hindurch und immer wieder durch Kiefer- und Birkenwälder. Das eigentliche Etappenziel Geesow hatten wir bereits am frühen Nachmittag erreicht, weshalb wir bis Penkun weiter fuhren. Ein geschäftstüchtiger Mobilhome-Betreiber fing uns am Ortseingang ab, und wir mieteten uns bei ihm ein. Als erstes genehmigten wir uns am dazu gehörigen See ein wohlverdientes Feierabendbier!

28.06.09: Etappe 10 / Berlin – Oderberg (95 km)
Schiffshebewerk bei Niederfinow Zwar war es nicht gerade warm aber immerhin trocken, als wir nach einem Tag Unterbrechung unsere Reise wieder aufnahmen. Zur Dokumentation wollten wir nochmals den Reichstag und das Brandenburger Tor besuchen; beide lagen sowieso an unserer Strecke, dem Radweg „Berlin – Usedom“. Zuerst hatten wir Bedenken, ob wir mit unseren Rädern auf den Straßen fahren könnten, auf denen tags zuvor der Umzug zum „Christopher Street Day“ stattgefunden hatte. Aber die Mitarbeiter der Stadtreinigung hatten ganze Arbeit geleistet: es lagen nicht eine Scherbe auf unserem Weg! Nach dem Fotoshooting kamen wir zügig voran und dank „Navi“ auf direktem Weg über Pankow und Blankenberg Richtung Nordosten aus dem Stadtgebiet. Es war so diesig, dass man die tief fliegenden Flugzeuge zwar hören, aber nicht sehen konnte. Wir folgten weiterhin dem leider nicht perfekt ausgeschilderten Fernradweg Richtung Usedom, teils auf fast unbefahrenen Straßen, teils kilometerweit geradeaus über Waldwege bis Bernau (Nudeln bei einem Italiener!) und – dann besser beschildet – nach Eberswalde, unserem vorgesehenen Tagesziel. Alles lief gerade bestens, weshalb wir nur eine Genießerpause in einem Café einlegeten und dann nach Niederfinow weiter fuhren. Das dortige Schiffshebewerk, ein Bindeglied zwischen Oder, Havel und Elbe, mussten wir unbedingt besuchen. Mit dem imposanten Bauwerk (60m hoch, 94m lang und 27m breit), das seit 1934 in Betrieb ist, werden in einem 85m langen und 12m breiten Trog Schiffe 36m gehoben oder abgesenkt. Es war beeindruckend, dieser besonderen Art von Schleusung zuzusehen! Einige Kilometer weiter bezogen wir endgültig Quartier in einem Hotel in Oderberg. Unser „Köstritzer“ hatten wir uns auch an diesem Tag redlich verdient, fanden wir!

27.06.09: Berlin ist eine Pause wert!
Brandenburger Tor Nach über einer Woche hatten wir einen Ruhetag eingeplant, und Berlin bot sich da natürlich geradezu an. Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück ging´s los – Bericht schreiben für diese Homepage.
Nachmittags dann das übliche Programm für Touristen: Potsdamer Platz, Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus, Brandenburger Tor, Reichstagsgebäude usw. Wir waren von den Mengen Schaulustiger überrascht, die am späten Nachmittag über mehrere Kilometer die Straßen säumten – halb Berlin wartete auf den Festzug zum „Christopher Street Day“, einem besonderen Event der Schwulen und Lesben. Christopher Street DayDiese wollten einerseits auf ihre Lebensbedingungen aufmerksam machen (und versuchen, diese zu verbessern), andererseits aber eine richtig große Show abziehen. Dies zumindest ist ihnen geglückt: Musik dröhnte von den Festzugswagen, die Akteure und Zuschauer feierten ausgelassen, es herrschte „Volksfest- Stimmung“. Auf dem Rückweg sahen wir dann die Überbleibsel der Fete: Flaschen, Scherben, Folienschnipsel, Papier usw. Kurz hinter dem Zug begann dann auch sofort die Stadtreinigung mit der Spurenbeseitigung. Wir dagegen suchten verzweifelt ein Internet-Café, um unseren Text mit den Bildern abzusetzen... Mit fast durchgelaufenen Schuhsohlen und hundemüde suchten wir unser Hotel auf.

26.06.09: Etappe 9 / Niemegk – Berlin-Charlottenburg (92km)
Sanssouci Hurra, kein Regen! Durch das schöne quirlige Stadtchen Brück führte die nächste Etappe unserer Tour auf der Landstraße nach Neuendorf und von dort weiter auf dem R1 in Richtung Potsdam. Der Weg führte kilometerlang durch dichten Kiefernwald, wo hunderte von Bäumen zur Harzgewinnung kunstvoll angeritzt worden waren. Auf einem Campingplatz bei Ferch am Schwielowsee genehmigten wir uns eine kleine Stärkung, bevor wir wieder dem R1 und dann dem Radweg nach Potsdam folgten. Ein Besuch des Weltkulturerbes „Sanssouci“ war natürlich Pflicht – ganze Heerscharen von Radlern dachten wohl genauso... Nur eine kurze Fotosession war möglich, dann verscheuchten uns freundliche Wärter mit dem Hinweis, dass wir unsere Räder auf einem Parkplatz abstellen sollten.
Unterstützt vom Navi radelten wir in Richtung Charlottenburg, wo ein Freund mittlerweile in Zentrumsnähe Zimmer für uns reserviert hatte. Unterwegs gaben wir uns bei einem hilfsbereiten Einwohner als Landeier zu erkennen; als wir auf seine Frage nach unserem Ziel „Charlottenburg“ angaben, war er ganz entsetzt und meinte: „das ist ja in Berlin! Ihr seid hier in Babelsberg.“. OK, mittlerweile haben wir erkannt, dass man die Entfernungen hier im Stadtgebiet ganz anders sehen muss. Nach über 2 Stunden Fahrt durchgehend auf Radwegen hatten wir unser Hotel endlich erreicht. Der Abend klang gemütlich mit (einem?) Weizen in einem Lokal am Stuttgarter Platz zusammen mit Thilo Hommel (zur Erinnerung: sein Vater Werner hatte uns in Ochsenfurt besucht) und seiner Freundin aus.

25.06.09: Etappe 8 / Gräfenhainichen – Niemegk (71km)
Tagebau-Bagger Mit Schrecken sahen wir während des Frühstücks Passanten mit Schirmen vorbeigehen... Trotz des kräftigen Regens genehmigten wir uns einen Abstecher zu einem ganz besonderen Museum: Ferropolis, die „Stadt aus Eisen“ beherbergt außer einem Bergbaumuseum und einem Freilichttheater eine ganze Reihe von riesigen Baggern, mit denen noch bis 1991 Braunkohle im Tagebau abgebaut wurde. Neben den bis zu 125m breiten und 30m hohen Eisenmonstern nehmen sich z.B. Radler wie Spielzeuge aus. Näheres unter www.ferropolis.de.
Bei weiterhin starkem Regen radelten wir nun weiter auf dem Radfernweg R1 (führt von der französischen Atlantik-Küste bis St. Petersburg) zur Lutherstadt Wittenberg. Nach einem kalorienreichen Mittagessen bei einem Italiener war ein Besuch in der Stadtkirche angesagt, wo die Thesen Martin Luthers an einer Eingangstür aus Bronze verewigt sind. schlechter RadwegLeider gab es keinen Platz mehr für unsere ganz eigenen Thesen...Ein weiteres kulturelles Highlight in Wittenberg ist die „Hundertwasserschule“, ein ganz besonderes Gebäude, das sogar bei Regen einen sehr farbenfrohen Eindruck macht. Viele Überraschungen in Form von Sandspuren, Schlaglöchern, Pfützen und Verwerfungen durch Baumwurzeln bot der R1 auf dem Weg nach Niemegk. Schließlich wichen wir wegen des schlechten Zustandes des Radweg auf die Landstraße aus. Die größte Genüsse an diesem Tag waren nach über 6 Stunden Dauerregen die heiße Dusche in unserem Quartier, die vorgeheizten Zimmer und das leckere Abendessen.

24.06.09: Etappe 7 / Merseburg – Gräfenhainichen (92km)
Delitzsch Nach einer kurzen Besichtigung des Domes (für Genussradler ist auch Kultur Pflicht!) fuhren wir bei kräftigem Gegenwind über teilweise stark befahrene Bundes- und Landstraßen nach Delitsch. Die Altstadt wirkte auf uns ziemlich eintönig, aber es gab ein Internet-Café, von dem aus wir unseren aktuellen Bericht absetzen konnten. Außerhalb der ehemaligen Stadtmauer reihten sich Geschäfte, Gasthöfe und Cafés aneinander. Nach dem obligatorischen Foto ging´s weiter auf Landstraßen nach Bitterfeld. Die Außenbezirke sind immer noch geprägt von Plattenbauten und ganzen Siedlungen von Garagen, die farblich unterschiedlich sind. Auf den ehemaligen Tagebau-Abbauflächen sind mittlerweile große Seen entstanden, die für alle möglichen Freizeitaktivitäen genutzt werden. Unser Etappenziel Gräfenhainichen erreichten wir nach insgesamt 92km und fanden auch gleich eine nette Pension. Einen schönen Abschluss des Tages hatten wie in einem angrenzenden „Erlebnisgastronomie-Betrieb“ bei einem kleinen Abendessen, interessanten Gesprächen und einer sehr lebendigen Führung durch einen Nachbau einer Schachtanlage. Wer sich näher interessiert, kann Details unter www.schacht-barbara.de nachlesen.

23.06.09: Etappe 6 / Jena – Merseburg (92km)
Ohne Regen, aber ziemlich kühl war es, als wir Jena verließen. Der Radweg war schnell gefunden und wir rollten trotz hügeliger Strecke zügig bis über Camburg hinaus, bis uns bei Großheringen ein Schild stoppte: „Radweg gesperrt“. Für uns kein Problem; dann fahren wir eben auf der Landstraße weiter, dachten wir. Bis wir nach einer tollen Abfahrt an eine wegen Einsturzgefahr gesperrte Brücke kamen. Die Bauarbeiter hatten sich alle Mühe gegeben, das Betreten auch für Fußgänger unmöglich zu machen – erfolglos. Im Verein mit einem zufällig vorbeikommenden Ehepaar hievten wir unsere Räder über zwei etwa 1m hohe Absperrungen. Dann überquerten wir vorsichtig die Brücke und hoben die Räder wieder zu Viert über die Betonsperren. Einige Kilometer weiter bei Kösen war dann die nächste Brücke gesperrt!! Diesmal quälten wir uns den Berg zur Rodelsburg hoch und fuhren danach eine abenteuerliche Abfahrt wieder ins Tal hinunter. Zisterzienserkloster SchulpforteVorbei an der „Schulpforte“, einem ehemaligen Zisterzienserkloster, ging die Fahrt nach Naumburg. Nach einer kurzen Kirchenführung stärkten wir uns am Marktplatz und fuhren danach wieder auf dem Saale-Radweg nach Weissenfels (Kaffee-Genusspause) und weiter an Leuna vorbei nach Merseburg. Die Strecke ab Naumburg war für uns der schönste Abschnitt auf dem Saale-Radweg. Noch etwas muss erwähnt werden: die Leute hier sind sehr freundlich und hilfsbereit! Kaum steht man kurz (und möglicherweise hilflos) herum, wird sofort von jemandem Hilfe angeboten. Bei Leuna z.B. machte uns ein Autofahrer auf die schlechte Umleitungsstrecke aufmerksam und zeigte uns eine bessere und kürzere Strecke. In Merseburg hatten wir Glück und fanden sofort eine Unterkunft in einer Pension unweit des Stadtzentrums. Ein gutes Abendessen bei einem Griechen in der Nähe rundete diesen positiven Tag ab.

22.06.09: Etappe 5 / Saalfeld – Jena ( 65km)
Der Tag begann mit einem reichhaltigen Frühstück in einem Kellergewölbe unserer Pension ganz gut. Dann aber versuchten wir annähernd eine Stunde (jawohl, trotz Navi) die Stadt in die richtige Richtung (auf dem Radweg!!) zu verlassen. Schließlich klappte es und wir radelten über Rudolstadt, Orlamünde und Kahla nach Jena. Es war richtig kalt, im Stundenabstand schüttete es, die Wegführung war zeitweise anstrengend und verlief teilweise auf einer stark befahrenen Bundesstraße, die Beschilderung ließ zu wünschen übrig – unsere bescheidenste Etappe bisher. Ein Lichtblick trotzdem: ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe Jena fuhr mit seinem Auto vor uns her und lotste uns wieder zum Radweg zurück! In Jena flüchteten wir in den erstbesten überdachten Biergarten und buchten dort auch gleich die Zimmer. Nach ausgiebigem Duschen mussten wir den Tag dann noch „schön trinken“; wir waren nur 64km gefahren und hatten 340 Höhenmeter überwunden, aber das reichte uns!

21.06.09: Etappe 4 / Kronach – Saalfeld (79 km)

Schienenbus An diesem Tag stand die Überquerung des Frankenwaldes an. Bereits nach dem Frühstück begann ein leichter Nieselregen, der uns bis über die Mittagszeit begleitete. Unsere Route verlief über weite Strecken talaufwärts an der Rodach entlang und in Sichtweite der Bahnlinie nach Nordhalben. Zu unserer Überraschung wurde diese Strecke tatsächlich von einem Schienenbus befahren, wie er vermutlich nur den älteren unter uns noch bekannt sein dürfte. Der „Busfahrer“ begrüßte uns immer mit lautem Hupen, wenn er uns wieder mal überholte. Bei Nordhalben war er dann unfair und nutzte ein Tunnel, während wir mit unseren schwer bepackten Rädern über 4km steil nach oben schlichen.Rennsteig Baude
Auf dem Höhenrücken ging es dann in ständigem Auf und Ab nach Osten Richtung Bad Lobenstein. Kurz nach Überschreiten der ehemaligen „DDR-Grenze“ trafen wir vor der „Rennsteig-Baude“ (Teil einer früheren Stasi-Anlage, von der damals der bundesdeutsche Funk abgehört wurde), eine jungen Mann, der für uns vor diesem Gebäude ein Erinnerungsfoto schoss (Bild). Ein paar Kilometer später – der Himmel vor uns war fast schon schwarz geworden - stellten wir unsere Räder vor einer kleinen Hütte ab und genehmigten uns einen kleinen Imbiss mit Glühwein! Draußen war es saukalt, so dass schon allein die Wärme im Inneren ein Genuss war! Auf Empfehlung einheimische Gäste änderten wir unsere Route und bogen von der Höhenstraße nach Norden ab. Obwohl es schüttete wie aus Kübeln, konnten wir nur kurz in einer Bushaltestelle Rast machen, dann ging es weiter: immer nur bergab, immer nur im Regen bis kurz vor Saalfeld, unserem Etappenziel. Tropfnass betraten wir ein Café, ließen uns Kaffee und Kuchen schmecken und sahen staunend zu, wie unsere Räder im Sonnenschein dampften...In Saalfeld angekommen, bezogen wir unser Quartier in einer Pension und ergatterten beim Stadtfest die letzten Thüringer Würste, bevor die Fete wegen Regen abgebrochen wurde. Die 79km an diesem Tag reichten uns und die 460 Höhenmeter ebenfalls...



20.06.09: Etappe 3 / Zeil am Main - Kronach (105km)
Auf dieser Etappe folgten wir dem Maintal-Radweg über Bamberg, Bad Staffelstein und Lichtenfels bis Kronach. Der Himmel sah teilweise gefährlich dunkel aus, aber das gute Wetter hielt genau, bis wir unser Hotel erreicht hatten. Unsere Radcomputer zeigten an diesem Tag 105km bei nur 260 Höhenmetern an.


19.06.09: Etappe 2 / Ochsenfurt – Zeil/Main (100km)
Am Freitag Morgen weckte uns strömender Regen, der aber nach dem Frühstück rechtzeitig aufhörte. Der ganze Tag war danach bewölkt und windig – Rückenwind! Zügig kamen wir voran, über Kitzingen nach Volkach, wo wir im „Hinterhöfle“, einem den Genussradlern bestens bekannten Gasthof, einen Radlertopf zu uns nahmen.
Die Fahrt ging weiter über Schweinfurt und Hassfurt nach Zeil am Main. Durch einen Tipp eines einheimischen Ehepaares fanden wir gleich eine nette Privatunterkunft und bezogen unser Quartier – nach genau 100km Fahrt und ohne nennenswerte Höhenunterschiede.
Den Tag beschlossen wir mit einem deftigen Abendessen im Biergarten der Brauerei Göller. Anschließend genehmigten wir uns in einer Weinstube noch ein Glas Wein in angenehmer Gesellschaft einer Radlgruppe aus dem Raum Stuttgart.

18.06.09: Etappe 1 / Schwäbisch Hall - Ochsenfurt (99km)
Zuerst möchten wir uns herzlich bei allen bedanken, die zu unserer Verabschiedung zum Haller Marktplatz gekommen waren und uns alle guten Wünsche auf unsere Tour mit gegeben haben.
Es war ein bewegender Moment, durch das Spalier der TTC-Freunde zu fahren und mit einem symbolischen Startschuss von Herrn Wunderlich auf die Reise zu gehen.

Franz und Paul in Braunsbach Nach diesem beflügelnden Start durften wir kurze Zeit später anlässlich einer kurzen Rast vor der ersten Bergetappe eine weitere sehr angenehme Überraschung erleben. Der Wirt des „Löwen“ - bei den Genussradlern gut bekannt – spendierte spontan zu unserer Stärkung einen „Leberkäswecken“ (LKW), Erfrischungsgetränke und als besondere Überraschung einen alkoholfreien Sekt (sowas gibt’s und schmeckt sogar gut!). So gestärkt, nahmen wir die Tour endgültig in Angriff.

Ein bergige Strecke führte uns bei herrlichem, aber windigem Wetter vom Kochertal ins Jagsttal und weiter über Gerabronn, Blaufelden, Schrozberg ins Taubertal nach Creglingen. Weiter ging`s anschließlich über eine wellige kräftezehrende Hochfläche ins Maintal zum ersten Zwischenziel nach Ochsenfurt. Die Etappe war bei 850 Höhenmetern 99km lang.

Am Abend überraschte uns Werner Hommel, ein befreundeter „Telekom-Radler“ aus Bad Mergentheim mit einem spontanen Besuch im Biergarten. Ein unterhaltsamer Abend beendete unseren ersten Tag.

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